
Richard David Precht spricht in seiner Sendung vom 09.12.2012 mit dem Philosophen Robert Spaemann über sein Gedankenspiel. Da das Video nicht mehr in der Mediathek des ZDFs enthalten ist und man auf Youtube nicht sicher sein kann, dass ein Video dort auch in Zukunft noch zu finden ist habe ich es transkribiert.
Ich finde es eine super elegante Denkweise um jemanden auf die Thematik der Verdrängung des Tierleids und der damit verbundenen kognitiven Dissonanz hinzuweisen.
Precht: Wenn Sie sagen, das Leiden ist schlimmer als das Töten.
Spaemann: Bei Tieren!
Precht: Bei Tieren. Stellen wir uns mal die Situation vor, Sie kaufen jetzt kein Reh zu Weihnachten, sondern Sie gehen zu jemandem, der Wild züchtet. Das gibt es, eine große Wiese und da sind die ganzen Rehe drauf.
Sie suchen sich ein Reh aus, das Reh wird betäubt und dann wird ihm ein Bein amputiert. Das wird dann danach wieder sorgfältig zugenäht, das ist dann ein dreibeiniges Reh. Das kann aber in Gefangenschaft als dreibeiniges Reh überleben und Sie essen die Rehkeule.
Würden Sie das machen?
Spaemann: Wahrscheinlich nicht.
Precht: Sie würden jedes Mal, wenn sie daran vorbei kommen dieses dreibeinige Reh sehen und es wird ihnen unendlich leidtun. Wenn Sie das Reh aber getötet hätten, hätten Sie es wieder vergessen.
Ist das nicht eigenartig?
Spaemann: Ja gut, aber was ist, wo steckt hier…
Precht: Die Pointe liegt darin, dass sie das Reh, das noch lebt, für Sie sichtbar bleibt, als Anklage. Das Reh was tot ist, das weicht aus Ihrem Bewusstsein wieder raus. Und weil wir in unserem Bewusstsein das tote Tier nicht speichern, fällt es uns relativ leicht es zu essen.
Spaemann: Hmm, ja.
Precht: Das heißt es ist sozusagen unserer Verdrängungskunst geschuldet, dass es nicht mehr Vegetarier gibt.
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